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Übergewicht beim Hund: Was es für die Gelenke bedeutet

Magazin · Hundegesundheit

Übergewicht beim Hund: Warum jedes Kilo auf die Gelenke drückt

Arria Verlag · Lesezeit ca. 8 Minuten

Ein paar Kilo, die niemand bemerkt

Übergewicht beim Hund entsteht selten durch einen Fehler, sondern durch viele kleine Freundlichkeiten: das Leckerli beim Training, der Rest vom Abendessen, der Kausnack zwischendurch. Jede Portion für sich ist harmlos. Zusammen verschieben sie das Gewicht – langsam genug, dass es niemandem auffällt.

Für die Gelenke ist dieser schleichende Prozess einer der folgenschwersten überhaupt. Und anders als Alter oder Rasse ist er der Faktor, den du vollständig in der Hand hast.

Was die eindrücklichste Studie zeigt

Zum Zusammenhang von Gewicht und Gelenkgesundheit gibt es eine Untersuchung, die methodisch besonders sauber angelegt ist.

48 Labrador Retriever aus sieben Würfen wurden paarweise nach Geschlecht und Gewicht einander zugeordnet. Ab der achten Lebenswoche bekam ein Tier jedes Paares Futter zur freien Aufnahme, das andere 25 Prozent weniger vom exakt gleichen Futter – und zwar lebenslang.[1]

Das Ergebnis

  • Mit zwei Jahren: Hüftarthrose im Röntgenbild bei 6 von 24 normal gefütterten Hunden (25 %) – gegenüber 1 von 24 der knapper gefütterten (4 %).
  • Mit fünf Jahren: 9 von 23 (39 %) gegenüber 3 von 23 (13 %).

Gleiche Rasse, gleiche Verwandtschaft, gleiches Futter, gleiche Haltung. Der einzige Unterschied war die Menge.

Was diese Studie so wertvoll macht: Sie kann den Effekt kaum mit etwas anderem verwechseln. Genetik, Futterqualität und Umgebung waren vergleichbar – geblieben ist die Portionsgrösse.

Auch andere Untersuchungen weisen in dieselbe Richtung. Die britische Auswertung von über 450.000 Hunden führt höheres Körpergewicht als Risikofaktor für Arthrose auf.[2] Und in der Untersuchung an Hunden über acht Jahren fand sich Arthrose in den schwereren Gewichtsgruppen häufiger.[3]

Warum Gewicht doppelt wirkt

Der offensichtliche Mechanismus ist mechanisch: Mehr Gewicht bedeutet mehr Druck auf Knorpelflächen, bei jedem Schritt, jedem Sprung, jedem Treppengang.

Der zweite Mechanismus wird häufiger übersehen. Fettgewebe ist nicht nur Speicher, sondern stoffwechselaktiv: Es produziert Botenstoffe, die entzündliche Prozesse im Körper fördern können. Übergewicht wirkt auf Gelenke also nicht nur als Last, sondern begünstigt zusätzlich ein entzündungsfreundliches Milieu.

Dazu kommt ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt: Schmerzende Gelenke führen zu weniger Bewegung, weniger Bewegung zu weiterer Gewichtszunahme, mehr Gewicht zu mehr Schmerzen.

Ist mein Hund zu dick? Der ehrliche Test

Die Waage hilft nur begrenzt, weil sich Rassen und Körperbau stark unterscheiden. Aussagekräftiger sind zwei einfache Prüfungen:

  1. Der Rippentest. Streiche mit flacher Hand über den Brustkorb. Die Rippen sollten bei leichtem Druck deutlich spürbar sein – ähnlich wie die Knöchel auf dem Handrücken. Musst du drücken oder suchen, ist der Hund zu schwer.
  2. Der Silhouettentest. Von oben betrachtet sollte hinter dem Brustkorb eine erkennbare Taille sein. Von der Seite sollte die Bauchlinie zur Hinterhand hin ansteigen, nicht waagerecht verlaufen.

Beide Tests dauern zusammen keine Minute – und sind ehrlicher als das Gefühl, dass er „schon immer so gebaut“ war.

Warum es im Alter schwieriger wird

Mit den Jahren sinkt der Energiebedarf: weniger Bewegung, niedrigerer Grundumsatz. Die Futtermenge bleibt aber meist unverändert. So entsteht Übergewicht ausgerechnet in der Lebensphase, in der die Gelenke ohnehin empfindlicher werden.

Deshalb lohnt es sich, die Portion beim Übergang ins Seniorenalter bewusst zu überprüfen – nicht erst, wenn das Gewicht sichtbar gestiegen ist.

So gelingt das Abnehmen

  1. Zielgewicht tierärztlich festlegen. Nicht schätzen. Der Tierarzt bestimmt ein realistisches Ziel und schliesst Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion aus.
  2. Futter abwiegen, nicht schätzen. Der häufigste Fehler überhaupt. Ein Messbecher trügt, eine Küchenwaage nicht.
  3. Leckerli einrechnen. Sie zählen zur Tagesration. Ein Teil des normalen Futters lässt sich prima als Belohnung verwenden.
  4. Langsam abnehmen. Etwa ein bis zwei Prozent des Körpergewichts pro Woche. Schneller bedeutet Muskelabbau – und Muskeln stabilisieren die Gelenke.
  5. Alle im Haushalt einbeziehen. Ein Abnehmplan scheitert zuverlässig an der einen Person, die heimlich zufüttert.
  6. Regelmässig wiegen und notieren. Alle zwei Wochen genügt. Ohne Dokumentation verliert man den Überblick.

Auch bei bestehender Arthrose lohnt es sich

Ein verbreiteter Irrtum lautet, Abnehmen bringe nichts mehr, wenn die Arthrose schon da ist. Das Gegenteil ist der Fall: Gewichtsreduktion zählt zu den zentralen nicht-medikamentösen Massnahmen bei bestehender Arthrose, weil sie die Belastung der Gelenke unmittelbar senkt.[4]

Sie macht die Erkrankung nicht rückgängig. Aber sie kann Beschwerden spürbar verringern – und das oft schneller, als viele erwarten.

Der Hebel, den du selbst in der Hand hast

Rasse, Alter, Gelenkfehlstellungen, frühere Verletzungen: Vieles, was Arthrose begünstigt, lässt sich nicht ändern.

Das Gewicht schon. Es ist der eine grosse Faktor, über den du täglich entscheidest – bei jeder Portion, jedem Leckerli, jeder Runde. Die Labrador-Studie zeigt, wie weit dieser Hebel reicht: Es war dasselbe Futter. Nur weniger davon.

Für Hundehalter, die genauer hinschauen möchten

Genau dafür haben wir im Arria Verlag ein Set entwickelt, das beides verbindet: „44 wichtige Fakten über Arthrose“ erklärt dir verständlich, was im Gelenk deines Hundes passiert und welche Massnahmen wirklich helfen. Das passende Hundetagebuch „Arthrose im Griff“ hilft dir, Veränderungen früh zu bemerken und das Tierarztgespräch fundiert vorzubereiten.

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Häufige Fragen

Wie stark beeinflusst Übergewicht die Gelenke meines Hundes?

Sehr stark. In einer Langzeitstudie an 48 Labrador Retrievern hatten die lebenslang 25 Prozent knapper gefütterten Hunde mit fünf Jahren deutlich seltener röntgenologische Zeichen einer Hüftarthrose als ihre normal gefütterten Geschwister: 13 gegenüber 39 Prozent.

Woran erkenne ich, ob mein Hund zu dick ist?

Am Tastbefund und an der Silhouette: Die Rippen sollten bei leichtem Druck spürbar sein, ohne dass man suchen muss. Von oben betrachtet sollte der Hund hinter dem Brustkorb eine erkennbare Taille haben, von der Seite eine ansteigende Bauchlinie. Die Waage allein sagt wenig, weil Rassen sich stark unterscheiden.

Warum nimmt mein Hund im Alter leichter zu?

Weil der Energiebedarf sinkt, während die Futtermenge meist gleich bleibt. Ältere Hunde bewegen sich weniger und haben einen geringeren Grundumsatz. So entsteht schleichend Übergewicht – oft genau in der Phase, in der die Gelenke ohnehin empfindlicher werden.

Wie schnell darf ein Hund abnehmen?

Langsam. Als grobe Orientierung gilt ein Verlust von etwa ein bis zwei Prozent des Körpergewichts pro Woche. Schnelles Abnehmen führt zu Muskelabbau – und Muskeln sind genau das, was die Gelenke stabilisieren soll. Die Futterreduktion sollte tierärztlich begleitet werden.

Hilft Abnehmen auch, wenn die Arthrose schon da ist?

Ja. Gewichtsreduktion zählt zu den zentralen nicht-medikamentösen Massnahmen bei bestehender Arthrose, weil sie die mechanische Belastung der Gelenke unmittelbar senkt. Sie kann die Erkrankung nicht rückgängig machen, aber die Beschwerden spürbar verringern.


Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Bei anhaltenden oder sich verschlechternden Beschwerden suche bitte deinen Tierarzt auf.

Quellen

  1. Lifelong diet restriction and radiographic evidence of osteoarthritis of the hip joint in dogs. Journal of the American Veterinary Medical Association 229 (2006), Heft 5, S. 690–693. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov 48 Labrador Retriever, paarweise nach Geschlecht und Gewicht verglichen; 25 % geringere Futtermenge lebenslang. Hüftarthrose mit fünf Jahren bei 39 % gegenüber 13 %.
  2. Anderson, K. L. et al. (2018): Prevalence, duration and risk factors for appendicular osteoarthritis in a UK dog population under primary veterinary care. Scientific Reports 8, 5641. nature.com 455.557 Hunde; 2,5 % diagnostizierte Fälle pro Jahr; Risikofaktoren unter anderem Alter über acht Jahre, höheres Körpergewicht und Rasse.
  3. Prevalence of osteoarthritis in the shoulder, elbow, hip and stifle joints of dogs older than 8 years. The Veterinary Journal 305 (2024), Artikel 106132. sciencedirect.com Röntgenbefunde einer Klinikpopulation; Schulter 39,2 %, Ellbogen 57,4 %, Hüfte 35,9 %, Knie 36,4 %. Höhere Häufigkeit in den schwereren Gewichtsgruppen.
  4. Pye, C. et al. (2024): Current evidence for non-pharmaceutical, non-surgical treatments of canine osteoarthritis. Journal of Small Animal Practice. onlinelibrary.wiley.com Übersicht zum Stand der Evidenz für nicht-medikamentöse Massnahmen wie Gewichtsmanagement, Bewegung und Physiotherapie.

Hinweis zur Einordnung: Die Angaben zur Häufigkeit von Arthrose schwanken in der Fachliteratur erheblich, weil Röntgenbefunde, klinische Symptome und tierärztliche Diagnosen unterschiedlich erfasst werden. Die verbreitete Angabe „80 Prozent der Hunde über acht Jahren“ stammt aus nordamerikanischen Überweisungskliniken und liegt am oberen Rand der publizierten Spannweite. Wir geben hier bewusst die Werte aus den methodisch belastbarsten Untersuchungen an.

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